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Hafen der Kulturhauptstadt verabschiedet sich mit ITHAKA Ithaka: Die alte Heimat, die für Odysseus nach knapp 10jährigen Reise durch die Welt und nach den Abenteurern doch wieder neu ist. Zusammen mit dem Tim Isfort Orchester flocht Erzähler Christian Brückner vereint mit den Illuminationen eine Geschichte, die Abschied und Aufbruch zugleich in sich vereinigte.

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Licht und Nebel wandern über den Innenhafen, untermalen die Geschichte des Jünglings, dessen Dorf nach einem Erdbeben zerstört ist und dessen Toten nicht begraben werden können. Denn es mangelt an Blumen und eine Bestattung ohne Blumen, eine Verwandlung ohne Heiterkeit ist nicht möglich. Das Märchen des Jünglings, das vom Tim Isfort Orchester begleitet wird, hat auf den ersten Blick nichts mit dem Mythos von Odysseus zu tun. Ebensowenig wie die Musik des Orchesters während der Performance klassisch klingt – gekonnt changiert das Orchester zwischen Free-Jazz-Elementen, experimentellen Blockflötenklängen, harmonischen Streicherepisoden. Die Musik kommentiert die Geschichte zwar, lässt aber auch Raum genug für die Bilder, die im Kopf des Zuschauers geschehen.

Jüngling und Odysseus – beide Charaktere erleben eine Reise, die eine Anfangspunkt und einen Endpunkt hat und hier findet sich das zusammen, was auf den ersten Blick nicht zusammengehört. Während der Jüngling aber von Vogelschwingen fortgetragen wird, ist Odysseus mit seinem Schiff und seiner Mannschaft auf dem Meer unterwegs gewesen um am Ende in den sicheren Hafen zu kommen. Der Gedanke des Abschieds hallt in der Musik der Performance zum Ende wieder: „Komm, Trost der Welt“ von Eichendorff in der Vertonung von Christian Lahusen fasst die melancholische Schwere des Abschieds zusammen. Mehrmals ertönt die Hauptmelodie, fließt über den Innenhafen hinweg und immer wieder wird sie neu begleitet. Manchmal melodisch, dann aber auch wieder mit Irritationen und feinen Disharmonien. Ob der sichere Hafen erreicht ist, steht noch auf der Kippe. Das ändert sich erst wenn die Gesangsstimme dazukommt.

Eichendorffs zutiefst romantischer Text unterstreicht den poetischen Gehalt der Performance: Der wandermüde Schiffer singt Gott sein Abendlied über das Meer hinweg. Der Zielpunkt ist erreicht und so fließt die von Christian Brückner zitierte Stelle aus dem 23. Gesang der Odyssee schlussendlich ein in die Abschiedsstimmung des Abends: „Zuletzt wird außer dem Meere Kommen der Tod und mich, von hohem, behaglichem Alter Aufgelöseten, sanft hinnehmen, wann ringsum die Völker Froh und glücklich sind“.

 

Medien: Christoph Müller-Girod
Autor: Christian Spließ 

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mehr licht!

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Eine ausverkaufte Industrie- Halle im Duisburger Landschaftspark Nord wartet gespannt auf den 1927 in Danzig geborenen Schriftsteller, Bildhauer und Grafiker Günter Grass, der pünktlich, mit einer ausklingenden Erkältung, im Rahmen des Kulturhauptstadt Projekt "Mehr Licht! Die Europäische Aufklärung weiter gedacht", an das mit einer Flasche edler Flüssigkeit verzierte Pult tritt. Seine begrüßenden Worte zollen den tragischen Ereignissen ebenso gefühlvoll wie kritisch Tribut und zeugen von einer langen Verbundenheit mit der Region.

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Anschließend konzentriert sich Grass auf die Brüdern Grimm, Hauptprotagonisten seines jüngsten Werkes. Der Zuhörer taucht in eine Zeit ein, in der Zensur nicht durch ein Handy Video enttarnt oder umgangen werden konnte. Als ginge es darum der Metaphysik eine Daseinsberechtigung zu verleihen, so intensiv und mit fesselnder Stimme schildert Grass die Bemühungen der Brüder gegen gesellschaftliche Widrigkeiten ein umfassendes Wörterbuch zu erstellen. Buchstabe für Buchstabe wächst die Lust sich mit einer Sprache zu konfrontieren, die keine neudeutschen Kürzel oder Hektik kennt, sondern sich akribisch und liebevoll mit bekanntem und vergessen Vokabular auseinander setzt. Im Laufe der Lesung verschwimmen die Grenzen zwischen den Gebrüdern Grimm und Günter Grass, denn unbändige Leidenschaft für Literatur und Wissen vereinen den Autor und seine Figuren - Grimms Wörter erschienen im Steidl Verlag Göttingen 2010

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Ein wunderbarer Abend mit einer vollendeten Lesung und einem trotz angeschlagener Gesundheit stak präsenten Günter Grass, der es vermag mit leisen Worten Selbstgefälligkeit in gesunde Skepsis zu transformieren.

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Fotos / Text Christoph Müller-Girod

 

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die rote couch

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"Here and there" heißt das aktuelle Projekt von Horst Wackerbarth, der seit knapp 30 Jahren mit seiner roten Couch durch die Welt reist. Die Ausstellungseröffnung war ein Publikums-Magnet. 

Wenn man mit der Roten Couch zu tun hat dann ist nichts so wie sonst. Auch am Abend der Ausstellungseröffnung war dies der Fall - angesichts der vielen Interessierten musste die Couch kurzerhand umziehen. Karl Janssen und Fritz Pleitgen zeigten sich dabei von ihrer starken Seite und halfen beim Tragen und Umstellen. 

Museumsdirektor Raimund Stecker betonte bei seiner Eröffnungssansprache, dass er sehr glücklich sei das Projekt im Hause zu haben. Die aktuelle gesellschaftliche Diskussion um Integration habe man bei der Planung des Projekts vor zwei Jahren nicht ahnen können. Doch das Thema "Here and There" sei vor allem in Duisburg immer aktuell gewesen. "Es ist ein Versöhnungsprojekt". Man habe, so Stecker, auch eine Einladung an Thilo Sarrazin ausgesprochen, doch bisher noch keine Antwort erhalten. Mit dem Walter-Benjamin-Zitat "die Photographieunkundigen werden die Analphabeten der Zukunft sein" beschließt Stecker seine Rede. 

Horst Wackerbarth selbst war überrascht davon, wieviele Besucher sich an diesem Freitag-Abend im Museum versammelt hatten. Anstatt über seine Arbeit zu reden richtet der Künstler seinen Dank an alle Helfer, Sponsoren, ans Team. 

Später versammeln sich auf der umgestellten Roten Couch unter anderen Fritz Pleitgen und Karl Janssen. Der Kulturdezernent der Stadt Duisburg beantwortet die Frage, ob die großen Erwartungen an dieses Projekt erfüllt worden seine mit einen klaren Ja. "Die Couch berührt Gefühle", so Janssen und weist auf das Hauptthema der Integration hin - das international behandelt worden sei. Wackerbarth war nicht nur in Duisburg selbst unterwegs sondern auch in den Partnerstädten - Calais, Portsmouth, in den Honduras. "Es geht in erster Linie um den Dialog," so Janssen. 

Stecker selbst sieht die Rote Couch als Soziale Plastik, als aktives Momentum. So wie Joseph Beuys Fett verwendet habe um die Gesellschaft als liquide Masse abzubilden, so nutze Wackerbarth die Rote Couch um die verbindenden Element einer Gesellschaft darzustellen. "Personen, die sich sonst nichts zu sagen hätten bringt Wackerbarth mit seiner Arbeit zusammen und dies ist Kunst im besten Sinne." 

Dass hinter der Oberfläche eines Photos auch noch eine andere Ebene liegt, das wiederum ist ein Aspekt den Fritz Pleitgen hervorhebt - um dann auch auf Steckers Thesen einzugehen. Er selbst habe mit einer jungen Frau und deren Sohn auf der Couch gesessen und habe dabei erfahren, dass diese von einer Abschiebung in den Nordkaukasus bedroht sei. Dies sei momentan jedenfalls durch das tatkräftige Eingreifen vieler Menschen verhindert worden - "und auf einmal bekam dieses Bild," so Pleitgen, "eine politische Wirkung." Man spreche ja auch sehr gerne über kulturelle Vielfalt, doch die Schicksale, über die denke man dann kaum nach. 

Bis spät in den Abend hinein konnten sich die Besucher dann selbst von der Wirkung der großformatigen Fotographien überzeugen und vor allem von der Vielfältigkeit der Roten Couch - mal hängt diese über einer Erdspalte, dann wiederum ist sie in zwei Teile gespalten, steht auf dem Kopf oder versteckt sich inmitten eines Müllberges. Bis zum 09.11. ist "Here and there" noch zu sehen.

Making of "Here & There" Atellier Düsseldorf:

Making of "The Red Couch" Landschafts Park Duisburg Nord:

Projektleitung / Medien: C. Müller-Girod
Text C. Spließ

 

 

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ruhrligths twilights

Ruhrlights – Lichtspiele in der Dämmerung 

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Bei „Ruhrlights: Twilight Zone“ verwandelte sich für einen Abend der Innenhafen in einen außergewöhnlichen Ort jenseits von Zeit und Raum. Internationale Lichtkünstler illuminierten dabei Synagoge, Tribüne und die Salvatorkirche. 

Netzlinien wabern über der halb fertig gebauten Tribüne am Innenhafen, verdichten sich, lösen sich auf, ballen sich zusammen. Währenddessen klingen von der anderen Seite des Innenhafens elektronische Klänge über das Wasser, Modularbeat nennt sich diese Installation die Klänge zusammen mit Licht koppelt. Eine begehbare Plastik, deren grelle Lichtimpulse die Massen anlocken. Eher ruhiger und besinnlicher dagegen als Ausgleich Richemonts „Mercaturm“, das bewußt am Ende der Führung durch den Innenhafen steht. Für einen Abend lang wandelt sich das Zwielicht, der Zustand zwischen Jetzt und Noch Nicht, in einen faßbaren, erlebbaren Sinneszustand.  

Dabei musste man sich mitunter auf die Lichtkunst einlassen, musste die Loops ein-, zwei- oder dreimal sehen bis sich die Absicht des Künstlers mitteilte. Insgesamt aber zeugte der große Zulauf bei den Ruhrlights von regem Interesse der Duisburger an der Lichtkunst als Thema, von der großen Neugierde und natürlich bot sich der Abend auch an um schließlich im Innenhafen bei einem Kaffee das gesehene zu reflektieren. 

Ruhrlights: Twilights“ - Am Ende die Hoffnung 

Eine atemberaubend schöne Reise durch die Geschichte unseres Landes bot im Rahmen von „Ruhrlights: Twilight Zone“ die Veranstaltung „Mercaturm“. Der Künstler Xavier de Richemont verwandelte die Mercatorfläche in ein spektakuläres Lichtfestspiel. 

Zu Beginn tanzen Lichtfunken über die Front der Salvatorkirche, verwirren sich ineinander, ein blauer Balken fährt in die Höhe. Wenige Minuten später: Blaue Lichtflächen und rote Fronten wogen gegeneinander und aus der Konfrontation erwächst der Schattenriss einer Blume, wuchert am Turm empor um für einen kurzen Moment zu verharren. Wasser und Feuer, Natur und Industrie, Zwang und Freiheit – das sind die Themen, die Richemont in eine überbordenden Detailfülle auf den Mercatorturm wirft. Man muss es auf sich wirken lassen, einmal oder zweimal den Loop am Abend anschauen. Erst allmählich wird klar, dass Richemont auch Bezug auf die Geschichte Deutschlands nimmt – erst gegen Ende wird das etwas offensichtlicher wenn die Fassade in Schwarz-Rot-Gold erstrahlt, die Staatssymbole der DDR und der BRD herabfließen. 

Ob Richemont zu Beginn der Installation sich auf die Schöpfungsbericht der Bibel bezieht? Möglich wäre dies, entstand das Werk doch zur Generalsynode der Evangelischen Kirche. Vor 400 Jahren wurden in Duisburg die Grundladen für die heutige evangelische Kirche im Rheinland gelegt. Der Einbezug des Mercatorturms der Salvatorkirche ist die sinnfälligere Referenz daran. Ebenso wie Richemont in den ruhigen Momenten die Struktur eines Kirchenfensters nachbildet, bevor die Farbquadarate verschwimmen und die Industrielle Revolution durch Zahnräder thematisiert wird. Ein weiterer Bezugspunkt zur Kirche selbst ist die Verwendung von Licht. Im Neuen Testament wird das Neue Jerusalem, das vom Himmel auf die Erde herabkommt als Stadt aus Licht, lichtdurchflutet geschildert. Kirchen haben immer versucht die Herrlichkeit des Lichts einzufassen – vor allem die gothischen Kathedralen. 

Richemonts Kunstwerk begreift aber auch die Geschichte Deutschlands – dann, wenn die blauen Lichtfarben als Wasser durch die Berliner Mauer fließen, wenn Stacheldraht sich öffnet und der Blick auf die „blühenden Landschaften“ freigegeben wird. Der Gegensatz zwischen Zwang und Freiheit wird auch deutlich durch das Gegenüberstellen von Natur und Industrie. Feuer verzehrt die Blumen, macht den Weg frei für die Inustrie und ihre Schornsteine. Blut fließt über die Fassade als sattes Tiefrot herab. Allerdings: Am Ende steht die Hoffnung, recken sich weite Sonnenblumenfelder gegen einen strahlendblauen Himmel. Ein schöner Ausblick auf die Zukunft. Hoffen wir, dass dies so wird wie die Kunst das an diesem Abend mit ihren Farben malt.

Projektleitung / Medien: C. Müller-Girod
Text C. Spließ

 

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sinfonie der 1000

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Dramatische Gegensätze

Bei der Kraftzentrale den Überblick zu behalten ist kurz vor dem Beginn der Proben zu Mahlers 8. Sinfonie nicht einfach. Ein Stimmengewirr erfüllt die Halle, dabei sind im  Hintergrund erste Töne der Blechbläser zu hören während die Streicherabteilung sich nach und nach füllt. An diesem Freitag ist die Generalprobe von Mahlers “Sinfonie der 1000″ – unter der Leitung von Lorin Maazel.

Von Mahler selbst stammt der Beiname für seine 8. Sinfonie, die vor 100 Jahre uraufgeführt wurde, allerdings nicht. Durchgesetzt hat er sich trotzdem, denn die Sinfonie selbst erfordert eine Riesenheer an Musikern  – mindestens 50 Streichern, 40 Bläsern, dazu kommen Celesta, Orgel, Harfe, Holzbläser… Dieses Aufgebot zu oganisieren und den Überblick zu behalten ist, so ahnt der Beobachter es in diesen Minuten, eine wahre Herkulesaufgabe. Lorin Maazel  selbst wirkt in der Pressekonferenz allerdings ruhig und abgeklärt. Aufmerksam hört er den Fragen  zu, auf dem Tisch vor sich die Partitur von Mahlers 8. Sinfonie liegend. Es ist ein Werk mit Visionen, sagt er,  das Klangbild einer besseren Welt die Mahler hier gezeichnet hat.

Diese bessere Welt bricht über den Hörer des ersten Satzes gleich zu Beginn herein, wenn mit einem kräftigem “Veni” der Geist Gottes beschworen wird. Strahlende Blechgläser zeichnen hier das Bild der Dominanz und Gegenwart Gottes, während der Chor und die Solisten sich in den nächsten Minuten bis zum Ende des Satzes an den überlieferten Pingsthymnus halten werden. Es ist ein erstaunliches und außergewöhnliches Klangerlebnis, das dem Konzertbesucher geboten wird. Machtvoll klingt der Ruf der Gemeinde nach dem Heiligen Geist, duch dem Erst die Schöpung möglich wurde. Und hie öffnet sich der Gegensatz zwischen beiden Teilen: Während der mit knapp 20 Minuten kurz gehalten ist, greift Mahler für den zweiten Teil auf einen Text zurück, dessen Aussage den ersten eigentlich eher negiert. Währen der Hymnen-Text im katholischen Glauben wurzelt ist Goethes Schluss des Dramas “Faust II” alles andere als christlich zu deuten – selbst wenn Figuren auftauchen, die aus dem Gemälde des Glauben

Wer den ersten und zweiten Teil des “Faust” gelesen hat, wird tatsächlich von der kleinen Welt in die große und zurück geführt wie es im Vorspiel auf dem Theater angedeutet wird. Faust, der am Ende der Tragödie von seinen Helfershelfern verhöhnt wird, wird am Ende der Hölle entrissen. Die Begründung liefert Goethe gleich mit: “Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen.” Was sicherlich zumindest den reformierten Gläubigen etwas sauer aufstoßen könnte… Streben nach dem Höheren gepaart mit der Unvernunft des Menschen ist nur ein Gleichnis, da es vergänglich ist. Zudem wird Faust vom “Ewig Weiblichem” hinan gezogen. Kurzum: Dramatischere Gegensätze lassen sich hier kaum vorstellen. Für diese Dramatik ist der Landschaftspark Nord mir dem Klanggehalt wie geschaffen.

Maazel dirigiert während der Probe gelassen und abgeklärt. “Als ich zum ersten Mal vor den über 1.300 Sängern und Musikern in der Kraftzentrale stand, wurde mir klar, dass das etwas Einzigartiges in meinem Leben ist, obwohl ich die Sinfonie Nr. 8 von Gustav Mahler bereits gut zehnmal dirigiert habe. Das Jubiläum der Uraufführung bietet eine tolle Gelegenheit, in Duisburg ein Meisterwerk zu feiern: Mahler hat die Vision einer besseren Welt vertont, wonach wir alle streben” würdigt Maazel die Gelegenheit.

Schlussendlich ist “alles Vergängliche nur ein Gleichnis”, so jedenfalls endet Goethes Drama und Faust, der irrende, erhebt sich in einem instrumentalem Höhenflug in den Himmel, das ewig Weibliche zieht ihn hinan. Drama, Kantate oder Oratorium – dieser zweite Teil ist nicht einfach zu fassen und es ist ratsam sich vor dem Anhören in den Text zu vertiefen – tut man dies abr so ist zumindest eines sehr klar: Packende, konsquenter und musikalisch vielseitiger ist kein anderes Werk der Klassik.

Projektleitung / Medien: C. Müller-Girod
Text C. Spließ

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welturaufführung

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1. Philharmonisches Konzert | Zweifache Titane

Ein Gigant, ein Hüne, ein Koloss – das alles schwingt mit wenn man das Wort Titan erwähnt. Schließlich sind die Titanen das erste Göttergeschlecht der griechischen Mythologie. Beim 1. Philharmonischen Konzert gab es gleich zwei Werke, die den Begriff der Größe beinhalteten – einmal die Welturaufführung des Konzerts für Klavier und Orchester von Tzvi Avni als Auftragswerk der Duisburger Philharmoniker. Und dann natürlich Mahlers erste Sinfonie in D-Dur, die den Titanen zweitweilig im Beinamen führte.

Bevor aber das 1. Philharmonische Konzert der 133. Saison mit Felix Mendelssohn Bartholdys „Hebriden“ eröffnet wurde, gab es nachdenkliche Worte unseres Intendanten Dr. Alfred Wendel. Das Drama der Loveparade ist auch an unserem Orchester nicht vorübergegangen, auch wenn es mitten in der Ferienzeit passiert ist. Nicht auf den kurzfristigen Erfolg setzen sondern auf den langfristigen, auf die Förderung der Kultur in der Stadt, das Polieren der Schätze, die sich hier verbergen – dies legte unser Intendant den Stadtoberen ans Herz.

Auf den ersten Blick ist der Bezug zum Riesen und Titanen nicht in der Ouvertüre „Die Hebriden“ von Mendelssohn Bartholdy zu sehen und zu hören. Wasser wirbelt vorüber, ein Schiff scheint sich den Inseln westlich von Schottland zu nähern. Doch seit eh und jeh ranken sich Sagen und Legenden um diese Landschaften – so sollen die Basaltsäulen Schrittsteine für Riesen oder eben für Titanen gewesen sein. 1829 unternahm Mendelssohn Bartholdy eine Reise dahin. Sein Reisebereiter Klingenmann könnte das eigentliche Sujet für die Komposition geliefert haben. Er schreibt: „Das tat nämlich die Atlantische - das reckte seine rauschenden Fühlfäden immer ungeschlachter und quirlte immer mehr […] Ein grüneres Wellengetose schlug allerdings nie in eine seltsamere Höhle - mit seinen vielen Pfeilern dem Innern einer ungeheueren Orgel zu vergleichen, schwarz, schallend und ganz zwecklos für sich allein daliegend - das weite graue Meer darin und davor.“ Genau diese Eindrücke finden sich bei Mendelssohn – weite, sanfte Wellen, die allmählich aufbranden, stürmischer werden bis das Geheimnisvoll-Romantische aufscheint. Allerdings sollte man es mit einem Programm hier nicht so genau nehmen. Schließlich schrieb Mendelssohn selbst 1842: „Das was Musik ausspricht, sind mir nicht zu unbestimmte Gedanken, um sie in Worte zu fassen, sondern zu bestimmte“: Der Nachhall der Reise ist allerdings in diesem kleinem Werk deutlich zu spüren – und schließlich fanden schon 1829 die ersten Skizzen zur sogenannten „Schottischen Symphonie“ statt.

Drei Sätze hat das Konzert für Klavier und Orchester von Tzvi Avni, die einzelnen Satzüberschriften dienen schon als Charakteristiken für die Musik. Dabei ist es bemerkenswert dass anders als in der üblichen Vorstellung eines Klavierkonzertes das Klavier keine überwiegenden Solostellen aufzuweisen hat. Es ist eher so als wäre das Klavier ein weiteres Instrument unter vielen, dass allerdings des öfteren Dialoge mit den breit eingesetzten Schlagwerken. Im ersten Satz sind es dann tatsächlich auch „Confrontations“, dramatisch angelegte Stellen wechseln unvermittelt mit sanfteren. Die Tonsprache Avnis ist dabei modern, verbindet ungewöhnliche Harmonien miteinander, sie bleibt aber durchaus tonal und fassbar. Motive tauchen auf, kehren wieder – so die zu Beginn des ersten Satzes nach vorne drängengenden Streicher. Der zweite Satz ist ruhiger, in sich gekehrter - „Confession“ lässt Soloinstrumenten Raum, Melodien. Im dritten Satz legt zuerst das Klavier rasende Klangperlen hin bevor das Orchester einstimmt. „Youth Images“, die Bilder der Jugend ist dieser letzte Satz überschrieben und wenn einem Alter das Rasen und Stürmen ansteht, dann doch der Jugend. Wenngleich auch hier im dritten Satz sich auch ab und an etwas Ruhe findet so ist das Drängen der Ungeduld am Besten eingefangen. Sicherlich ist das Konzert eines, das man konzentriert anhören muss, das allerdings schon alleine wegen des Schlagwerk-Gebrauchs fasziniert. Wir fühlen uns sehr geehrt, dass das Werk im Beisein des Komponisten in Duisburg seine Uraufführung feiern konnte.

Mahlers erste Sinfonie in D-Dur trug nach Jean Pauls Roman den Beinamen „Titan“, den Mahler allerdings später wieder zurückzog. Dennoch hat sich der Name für diese Sinfonie eingebürgert, deren dritter Satz mit der Umkehrung des Kanons „Bruder Jakob“ in einen Trauermarsch überrascht. Und nicht als einziger Satz Bezug auf ein Lied nimmt. Denn der erste Satz, der mit der nebelverhangenen Welt im Morgengrauen beginnt zitiert ausführlich die ersten Gedanken des Lieds „Ging heut morgen übers Feld“ aus den „Liedern eines fahrenden Gesellen“. Später noch wird im dritten Satz ein Motiv, das des „Lindenbaums“ aus „Die zwei blauen Augen von meinem Schatz“ zu hören sein. Zuerst aber führt uns Mahler spazieren – Morgendunst, erste Vögelklinge, der Fink und Uhu sind zu hören. Zwischendurch Jagdfanfaren und ruhigere Passagen, vielleicht ein Waldstück durch das der Weg führt.

Der zweite Satz übernimmt eigentlich die traditionelle Funktion des Dritten in einer Sinfonie: Das Scherzo. Wobei dieser Satz recht derb polternd daherkommt. Ein Walzer ist das nicht, eher ein Deutscher oder ein Ländler – das tanzt man in der Scheune, nicht im feinen Ballsaal. Da gehört dann eher schon das Trio hin, das zarte. Doch rasch wird es vom Ländler verdrängt.

Drei Themen begegnen uns im dritten Satz. Für uns überraschend taucht „Bruder Jakob“ hier in Moll auf. In Österreich allerdings wurde der Kanon durchaus auch in Moll gesungen, Mahler könnte ihn in dieser Form so gehört haben. Ein Trauermarsch, bei dem das Orchester in der Wiederholung gegen Ende etwas den Anschluss verloren zu haben scheint, so rasch rücken die Instrumente im Tempo dann auf. Klänge, die man sonst eher im Bereich des Klezmer, der Volksmusik Israels verorten möchte tauchen als zweites Motiv auf – das angsprochene „Lindenbaum“-Thema dann als drittes bevor der Trauermarsch zu Ende geht.

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Der vierte Satz überbietet sich gerade mit Einfällen und Motiven, Mahler baut hier so viele musikalische Ideen ein dass man diesen Satz nicht nur drei- sondern am besten fünfmal hört. Erst dann wird auch klar, dass es hier durchaus eine Form gibt. Der Sonatenhauptsatz, allerdings stark variiert. Dennoch: Der Titan, der zu Anfang sich die Welt erobert hat, scheint im letzten Satz wie Kronos einst unter Zeus zu fallen. Ganz gegen Ende schiebt Mahler nochmal das Orchester an, die Hörner werden gerne stehend gespielt um das Schlussthema deutlicher hörbar zu machen. Mahler verwendet ohnehin ein sehr großes romantisches Orchester und nutzt das Fortissimo im vierten Satz gerne aus. Gewiß eine titanische Meisterleistung, die vom Orchester hier verlangt wird.

Projektleitung / Medien: C. Müller-Girod
Text C. Spließ

 

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return of the pilots

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ISEA 2010 – Return of the Pilots 

Eigentlich sind Piloten diejenigen, die im Cockpit vorne sitzen und genau darüber informiert sind wohin der Weg geht. Doch wenn im Rahmen der ISEA 2010, dem 16th International Symposium on Electronic Art, das Motto „Return of the Pilots“ ist, dann ist der Begriff Pilot eher im Sinn des französischen „Lotsen“ gemeint. Die ISEA 2010 als Ort an dem nach neuen Pfaden gesucht wird. 

Dabei verteilt sich das Programm vom 20. - 20. August auf Dortmund, Essen und Duisburg. Das Programm ist breit gefächert: Von Ingenieurskunst bis zu neuen Medien reicht das Programm. Dabei rückt für Duisburg nach den erfolgreichen Akzenten im Mai und Juni erneut Ruhrort in den Mittelpunkt – die ISEA 2010 findet hier einen Ankerpunkt und präsentiert hier Keynotes, Workshops und Filmbeiträge. Das Festival findet das erste Mal in Deutschland statt und seit 206 liefen die Vorbereitungen zusammen mit dem medienwerk.nrw an. In Duisburg selbst engagiert sich unter anderem die KulturWerft Ruhrort für die ISEA. 

Das Programm in Duisburg beschäftigt sich dabei unabhängig von tragischen tagesaktuellen Ereignissen mit dem Thema der Krisenbewältigung – ursprünglich wurde dies sogar als offizielles Thema gehandelt, aber dann entschied man sich aus verständlichen Gründen für „Return of the Pilotes.“ Stefan Riekeles, Programmleiter der ISEA, freut sich auf die Keynotesprecher, die er für Duisburg gewinnen konnte. So referieren Harald Welzer und Marko Peljhan über „Geo-Krisen: Vom Wissen zum Handeln“, widmen sich David d'Heilly und Fernando Garcia Dory „Globalen Inseln: Ruhrort, Tokio und die Schäfer der Welt“. 

Wer weniger sehen als vielmehr hören möchte, dem bietet das Programm der ISEA in Duisburg ausgewählte Höhepunkte aus dem HörspielWerkstatt-Programm des Deutschlandradios – so unter anderem „My father, the sea“ von Wolfgang Peter Menzel, das im Maschinenraum des Museumsschiffes Oskar Huber zu hören sein wird. Neben Hörspielkunst ist es der ISEA gelungen mit Charlemagne Palestine einen Musiker zu gewinnen, der der Orgel in St. Maximilian neue Töne entlocken wird. „Strumming“ nennt sich die Technik, die Palestine zur Erzeugung seiner 'resonant music' verwendet – schnelles Anschlagen der Orgeltastaturen erzeugen Klangschichtungen, die eine hypnotische Wirkung ausüben können. 

Vier Stunden Zeit nehmen sollte man sich dann für ein besonderes Highlight: „Welt am Draht“, der 1973 gedrehte Film von Rainer Werner Fassbinder wird im Lokal Harmonie gezeigt. Der Film, der die Hollywoodproduktionen „Matrix“ oder „13th Floor“ vorwegnimmt, war lange Zeit wegen rechtlichen Unklarheiten nicht auf DVD erhältlich. Die ISEA zeigt den Film in zwei Teilen mit englischen Untertiteln. 

Am Abend werden die Duisburger dann Teil der Lichtkunstinstallation „Reale Formulierungen“ von Siegrun Appelt. Als Stadt hat sich Duisburg der Kunst im öffentlichen Raum verschrieben – zuletzt deutlich sichtbar mit der Installation des David vor dem Lehmbruck-Museum – und mit der Künstlerin Siegrun Appelt möchte man die Mühlenweide als Ort in das Bewußtsein der Bürger rücken. Drei lichtstarke Schweinwerfer – 4000 bis 6000 Watt – werden am Abend des 28. Augusts Landmarkierungen der Mühlenweide in Szene setzen. Durch das extrem helle Licht wird ein sehr surrealer Raum entstehen, der sich durch das Licht verändern wird. Von der Brücke aus würde man auf das Gelände herabblicken können. Das Licht wird dabei den Raum verändern, eine emotionalphysische Wahrnehmung in Szene setzen. Dabei werden die Scheinwerfer weder per Hand noch durch den Zufall gesteuert werden. „Ein rein interaktives Programm wäre mir zu banal“, betont die Künstlerin Siegrun Appelt. Deswegen wird eine Programmschleife programmiert werden, etwa 20 bis 30 Minuten lang. Start der Installation ist 22:00 Uhr – das Ende wird etwa gegen 03:00 Uhr sein.

Projektleitung / Medien: C. Müller-Girod
Text C. Spließ

 

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stillleben ruhrschnellweg

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Still-Leben: Sommerfest auf der A40 

Vom Hubschrauber aus, so Hannelore Kraft, sei der Ausblick wirklich einmalig gewesen. Zusammen mit Fritz Pleitgen, Oliver Scheytt und dem NRW-Verkehrsminister Harry K. Voigtsberger – laut seiner Aussage war dies sein erster Arbeitstag – eröffnete die NRW-Ministerpräsidentin die Mobilitätsspur.

Nach einem runtergezählten Countdown setzten sich die Fahrradfahrer und Skater dann in Bewegung – und erlebten auch heute das, was die A40 im Alltag oft und gerne auszeichnet: Den Stau. Doch irgendwie nahm man das heute gelassener hin als sonst. Schließlich gab es von der Bühne Duisburg-Häfen erst entspannende Klänge mit Trionova, dann gab Kai-Magnus Sting zusammen mit den Philharmonixx Gas. Bei diesen Klängen wartete man dann doch offenbar gerne. 

Ein Volksfest war es – die sonst so ungeliebte A40 mal wörtlich mit den Füßen treten zu dürfen anstatt sonst nur das Gaspedal, das war etwas was sich heute keiner nehmen lassen mochte. Ob jung oder alt, man schlenderte an den Tischen vorbei, sah sich das Angebot an – die Partylifter-Aktion für die Loveparade, die Monopoly-Ausgabe von Duisburg, die Seed-Bombs, in denen Pflanzensamen, Erde und Wasser enthalten war und die man als Guerilla-Gärtner auf die Randstreifen der A40 werfen konnte. Das Rikscha-Angebot wurden rege genutzt. Das Programm an diesem Tag war so vielfältig und bunt wie es der Alltag der Ruhris selbst ist. 

Was bleibt ist das Staunen – das Staunen darüber, dass aus einer „Schnapsidee“ ein Event geworden ist, dass für die Kulturhauptstadt in einem anderen Licht zeigte. Dass es friedlich zuging bei diesem Event, es gab weniger Unfälle als man erwartet hatte. Staunen auch über das, was man sonst im Vorbeifliegen mit dem Auto wahrnimmt: wie lange man doch braucht um eine Ausfahrt zu erreichen. Wann man denn wieder auf die Autobahn könne, fragte ein Kind seinen Vater. Dessen Antwort: „Vielleicht in hundert Jahren.“ Nach diesem friedlichem und bilderstarkem Signal für die Zusammenkunft des Ruhrgebiets könnte es allerdings weitaus eher passieren, dass es wieder heißt: „Still-Leben – Ein Tag auf der A40“.

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stillleben programmvorschau

Fritzpleitgen

Das Ruhrgebiet, unendliche Weiten.

Nach einem halben Dutzend Pressekonferenzen in den letzten zwei Wochen, 2885 Beiträgen, die sich ausgiebig mit dem Projekt Still- Leben Ruhrschnellweg im Rahmen der Kulturhauptstadt 2010 auseinandersetzen und hunderter akkreditierter internationaler Journalisten, wird ein Umstand sehr deutlich - für das schönste Straßentheater der Welt ist kein Superlativ ausreichend. Die Einmaligkeit der längsten Kulturtafel der Welt, die unbeschreibliche Vielfältigkeit der Events, welche von einem Klavier auf der Autobahn über Fallschirmspringer auf dem Standstreifen bis zum Speeddating neben der Leitplanke reicht und über eine Millionen erwartete Besucher, verwandeln die Hauptschlagader des Ruhrgebiets am Sonntag, den 18. Juli in ein historisches Ereignis.


Von 11:00 - 17:00 Uhr wird die A40 zwischen Duisburg und Dortmund auf einer Länge von 60 km in beide Fahrtrichtungen gesperrt und den kreativen Teilnehmer zur Verfügung gestellt, die an 20000 Tischen, ein buntes Programm anbieten, dass seines Gleichen sucht - Fußball, Film, Geburtstage, Hochzeiten, Familientreffen, Bands, Rekordversuche, Konzerte und Bräuche aus aller Welt werden jeden überraschen, der Lust hat die wichtigste Verbindung der Region aus einer anderen, völlig neuen Perspektive zu erleben.


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Auf dem Weg ins Paradies 

Auf Nummer Sicher gehen? Leinen los und die Welt erkunden? Vorsorge treffen? Rucksack packen und los? Früher haben einen die Eltern den Weg unter die Füße gelegt, aber jetzt wo man erwachsen wird muss man sich selbst auf den Weg machen – auf den Weg in sein eigenes Paradies. 

„INTERFACES – Looking for Paradise...“ erzählt in drei Handlungsabschnitten von den Stationen auf dem Weg zu diesem ganz eigenen Paradies. Zuerst die Vergangenheit: Da schreibt ein Vater einen Brief an sein Kind über sein eigenes Leben, über die Arbeit im Ruhrgebiet. Passend dazu werden Videobilder an die Leinwand projeziert, untermalen Briefpassagen des Vaters. Immer wieder eingebettet sind Tanzsequenzen – Kohlefördern und Stahlgießen werden von den Jugendlichen in schwarzer Kleidung dargestellt. Das kulturelle Gepäck, dass jeder von uns mit sich herumträgt auf der Reise verdeutlichen Klezmerklänge, türkische Folkore und südamerikanische Musik. Von der Vergangenheit als Basis geht es auf die einzelnen Wege, die Möglichkeiten des Erwachsenwerdens. 

Dabei legt INTERFACES eindrucksvoll all das offen, was eigentlich jeder Mensch auf dem Weg  ins Leben erlebt. Der Freundeskreis, der einen Halt gibt, aber auch manchmal nervt, die Langeweile, die sich einstellt wenn man keine Perspektive sieht. Die nervende Familie, die weder den eigenen Musikgeschmack noch das an sich doch aufgeräumte Zimmer mag – sie steht hier für die Tradition, nachdem das Vertrauen auf die Freunde einen vielleicht doch nicht weitergebracht hat. Aber auch die Tradition ist nicht unbedingt der eigene Weg. Eindrucksvoll auf die Bühne bringt INTERFACES auch die Themen Mobbing und Gewalt, die Angst vor Einsamkeit und die Versuchungen, sich in der Gewalt an sich zu verlieren weil man ja sonst nichts weiter erreichen könnte. 

Die gewonnen Erkenntnisse aus diesen Wegen werden dann im dritten Teil des Werkes gezeigt: „Ruhe in dir und du wirst dein Glück finden“ etwa. Auch das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, die Chancen in sich selbst und ein Ziel zu haben – wie groß oder klein das auch sein mag – gehören zu diesen Erkenntissen, die man auf dem Weg ins eigene Paradies gewonnen hat. Dass zu der Suche nach dem Glück, die der Chor im ersten Teil anspricht, auch die dunklen Seiten des Lebens gehören  verbirgt der letzte Teil sicherlich nicht. Er betont aber den Optimismus und die Erfahrung, dass das Leben letztendlich doch immer wieder positive Seiten hat. Man muss diese halt nur wahrnehmen. 

Musikalisch bietet das Stück eine große Bandbreite: Von Rap und Hip-Hop, über Big-Band bis zu den Duisburger Philharmonikern – Violinsolistin Gergana Gergova spielt einen Satz aus Korngolds Konzert für Violine und Orchester D-dur op. 35, zu dem dann der blaue Vogel – Anna Städtler – auf die Bühne kommt. Korngolds langjährige Arbeit an Filmen in Hollywood ist da eindeutig zu hören. Amateure und Profis, Sänger und Tänzer vereinen sich zum Schluss um die Schlussessenz des Weges zu ziehen: „Don't give up your dreams“ - gib deine Träume nicht auf. Mehrere Zugaben bewiesen, dass die Botschaft beim Publikum angekommen ist.

 

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Christoph Müller-Girod ist Social Manager, New Media Producer und Photographer.
Im Fokus seiner Arbeit stehen Kommunikationskonzepte, Aufbau von Communities und Vermarktung von Kunst- und Kulturinstitutionen in Sozialen Netzwerken.
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