mehr licht!
Eine ausverkaufte Industrie- Halle im Duisburger Landschaftspark Nord wartet gespannt auf den 1927 in Danzig geborenen Schriftsteller, Bildhauer und Grafiker Günter Grass, der pünktlich, mit einer ausklingenden Erkältung, im Rahmen des Kulturhauptstadt Projekt "Mehr Licht! Die Europäische Aufklärung weiter gedacht", an das mit einer Flasche edler Flüssigkeit verzierte Pult tritt. Seine begrüßenden Worte zollen den tragischen Ereignissen ebenso gefühlvoll wie kritisch Tribut und zeugen von einer langen Verbundenheit mit der Region.
Anschließend konzentriert sich Grass auf die Brüdern Grimm, Hauptprotagonisten seines jüngsten Werkes. Der Zuhörer taucht in eine Zeit ein, in der Zensur nicht durch ein Handy Video enttarnt oder umgangen werden konnte. Als ginge es darum der Metaphysik eine Daseinsberechtigung zu verleihen, so intensiv und mit fesselnder Stimme schildert Grass die Bemühungen der Brüder gegen gesellschaftliche Widrigkeiten ein umfassendes Wörterbuch zu erstellen. Buchstabe für Buchstabe wächst die Lust sich mit einer Sprache zu konfrontieren, die keine neudeutschen Kürzel oder Hektik kennt, sondern sich akribisch und liebevoll mit bekanntem und vergessen Vokabular auseinander setzt. Im Laufe der Lesung verschwimmen die Grenzen zwischen den Gebrüdern Grimm und Günter Grass, denn unbändige Leidenschaft für Literatur und Wissen vereinen den Autor und seine Figuren - Grimms Wörter erschienen im Steidl Verlag Göttingen 2010
Ein wunderbarer Abend mit einer vollendeten Lesung und einem trotz angeschlagener Gesundheit stak präsenten Günter Grass, der es vermag mit leisen Worten Selbstgefälligkeit in gesunde Skepsis zu transformieren.
Fotos / Text Christoph Müller-Girod





